In einem Finale, dass zum Teil zu einer wahren Fußball-Schlacht ausartete, haben sich die Spanier in der Verlängerung 1:0 gegen die Niederlande durchgesetzt.
Die Niederländer versuchten es, die Spanier mit extremer Härte zu beeindrucken und schafften das auch lange. Allerdings wandelten einige Holländer schon bald am Rande eines Feldverweises. Warum der englische Referee Webb den brutalen Tritt von de Jong in Xabi Alonsos Brust nicht mit Rot ahndete, wird sein Geheimnis bleiben. Die Spanier waren doch recht beeindruckt und konnten lange ihr sicheres Kombinationsspiel nicht wie gewohnt aufführen. Erst ab der 60. Minute nahm der Druck zu, aber die holländische Defensive stand gut und half sich mit nicht ganz legalen Maßnahmen, die am Ende acht gelbe Karten zur Folge hatten. In der 109. Minute war es dann endlich soweit. Heitinga musste vor dem Strafraum Iniesta regelwidrig vom Ball trennen und sah zu Recht Gelb-Rot.
Iniesta war es dann auch, der die Spanier sieben Minuten später zum Sieg schoss.
Spanien ist verdient Weltmeister geworden. Die Iberer spielten vielleicht nicht den schönsten Fußball (dass machten die Deutschen), aber es war schon beeindruckend, mit welcher Geduld und Abgeklärtheit der neue Weltmeister jeden Gegner bezwang. Dazu kam eine mannschaftliche Geschlossenheit, die schon bei der EURO 2008 beeindruckte. Es war die kompletteste Mannschaft und verdient das Kompliment für eine hervorragende WM.
Die Niederländer sind sicher enttäuscht, müssen sie aber gar nicht. Genau wie beim deutschen Team hatte niemand ernsthaft unsere Nachbarn auf der Rechnung. Großer Trumpf der Holländer war ihre körperliche Robustheit und die mannschaftliche Geschlossenheit.
Zur mannschaftlichen Geschlossenheit kam bei den Deutschen noch eine unglaubliche Spielfreude hinzu. Die Leistung der Deutschen ist für mich deshalb noch höher einzuschätzen als die der Niederländer. Wie besonders Schweinsteiger, Müller und Özil eine Überlegenheit im Mittelfeld erzielten und ihre Gegner ausspielten war die eigentliche positive Aspekt dieser WM.
Was bleibt von dieser WM? Wir haben ein neues System gesehen. Die meisten Mannschaften spielten mit einer Spitze im 4-2-3-1. Besonders in der Vorrunde interpretierten die meisten Mannschaften sehr defensiv. Wo noch vor 4 Jahren attraktiver Fußball die Szenerie bestimmte, war diesmal vielfach langatmiges Ballgeschiebe an der Tagesordnung. Das es auch anders geht zeigte überraschend die Deutsche NAtionalmannschaft, die mal vom Spiel gegen Serbien abgesehen ein regelrechtes Angriffsfeuerwerk abbrannte und sich so zurecht in die Herzen der Fans gespielt hat. Dabei war die deutsche Dreierreihe eher eine Sturmreihe hinter Miroslav Klose.
In den K.o.-Spielen wurde auch bei anderen Teams zum Sturm geblasen.
Hier meine Rangfolge der 32 Teilnehmer bei der WM:
1. Spanien
Die Mannschaft hat den Deutschen voraus, dass sie schon vier Jahre zusammen spielt.
2. Deutschland
Spielte den attraktivsten Fußball, ist aber noch von (verständlichen) Leistungsschwankungen betroffen. Dieser Mannschaft gehört die Zukunft.
3. Niederlande
Sehr diszipliniert, mannschaftlich sehr geschlossen. Neben Deutschland sicher die positive Überraschung.
4. Uruguay
Noch ein Team das keiner auf der Rechnung hatte. Bis zum Viertelfinale boten die Südamerikaner eine starke Defensivleistung und hatten mit Suarez und Forlan ein außergewöhnlich gutes Offensivduo.
5. Ghana
Wer hätte Ghana nicht das Halbfinale gegönnt. Denkbar knapp haben die Afrikaner das Viertelfinale gegen Uruguay verloren. Und sie waren so nah dran, als Gyan in der 122. Minute zum Strafstoß schritt. Ghana spielte für afrikanische Verhältnisse seht geordnet in der Defenive und hatte in Kevin-Prince Boateng einen genialen Spielmacher.
6. Argentinien
Das wundert jetzt vielleicht den einen oder anderen. Ja, trotz der 0:4-Klatsche gehörte Argentinien zu den positiven Erscheinungen der Weltmeisterschaft. Diego Maradona, lange zu unrecht belächelt, hat ein Team gebaut, dass bedingungslos für seinen Superstar Messi gearbeitet hat. Das klappte auch sehr gut, bis Deutschland kam. Trotzdem, die Argentinier spielten lange neben Deutschland den attraktivsten Fußball während der WM. Das Sturmduo Tevez und besonders Higuain hatte Klasse.
7. Paraguay
Die Defensivkünstler aus Südamerika. Paraguay ist mit drei Toren bis ins Viertelfinale gekommen.
8. Brasilien
Der Anfang vom Ende war eigentlich schon das ernüchternde 2:1 gegen Nordkorea. Wer dachte, es wird gegen bessere Gegner besser, sah sich getäuscht. Die Brasilianer würgten sich irgendwie ins Viertelfinale. Nur einmal sah man früheren Glanz aufblitzen: Beim 3:0 gegen Chile im Achtelfinale.
9. Portugal
Wer hätte gedacht, dass Portugal seine Stärke in der Defensive haben würde. Im Achtelfinale kassierte die Mannschaft um den völlig unauffälligen Star Ronaldo beim 0:1 gegen Spanien das einzige Gegentor. Gegen Nordkorea gab es mit 7:0 ein Schützenfest. Dazu zwei 0:0 gegen starke Gegner (Brasilien, Elfenbeinküste).
10. USA
Die Amis sind ohne Niederlage aus dem Turnier geflogen. O.K., in der regulären Spielzeit. In der Verlängerung war dann gegen Ghana Schluss. Trotzdem. Die USA werden in Zukunft eine größere Rolle im Fußball spielen.
11. Japan
Die Japaner haben immerhin Dänemark 3:1 geschlagen. Sie zeigten sich in der Defensive stark und boten auch spielerisch gute Ansätze.
12. Chile
Dass die Chilenen das schwächste südamerikanische Team geworden sind, war schon überraschend.
13. Südkorea
Es begann gut. 2:0 gegen Griechenland. An diese Leistung konnten die Asiaten danach nicht mehr anschließen.
14. Mexiko
Das Highlight: 2:0 gegen Frankreich. Gegen Frankreich hätte aber wohl auch Liechtenstein gewonnen. Mexiko zeigte ein paar Ansätze mehr nicht.
15. Slowakei
Für das WM-Debüt sicher ok. Ein Sieg gegen Italien, aber andererseits gegen Neuseeland nur 1:1. Für die Slowaken war es sicher ein Erfolg, im Achtelfinale gestanden zu haben.
16. England
Ja, tut mir leid, liebe Engländer. Ihr gehörtet zu den Geheimfavoriten. Das war dann so geheim, dass Ihr davon gar nichts zeigtet. Der als WM-Star angekündigte Wayne Rooney war mit den Erwartungen völlig überfordert. Nicht nur die Klatsche gegen Deutschland war ausschlaggebend für diese Platzierung. England enttäuschte auf der ganzen Linie. In England dürfte ein Neuaufbau der Nationalmannschaft anstehen. Wollen wir den Männern wünschen, dass sie auch einen talentierten Torwart finden. In diesem Turnier hatten sie ab dem 2. Spieltag mit James einen durchaus guten. Nur der ist mit fast 40 Jahren für das nächste Turnier dann wohl zu alt. Obwohl, bei Italien gab es da mal einen Torwart, Dino Zoff...
17. Elfenbeinküste
Wurden Dritter in der härtesten Vorrundengruppe. Schade, Achtelfinale war drin.
18. Australien
Zum Augen reiben. Ja, die Australier haben gegen Deutschland 0:4 verloren. Aber beinahe wären sie danach noch ins Achtelfinale eingezogen. Respekt!
19. Schweiz
Die Schweizer haben wohl das Optimum herausgeholt. Immerhin: Die Eidgenossen haben den Weltmeister geschlagen. Und trotzdem werden sie von mir nur auf Platz 19 geführt. Die Spanier verloren nicht gegen die Schweiz, sondern gegen den besten Torwart des Turniers; Benaglio.
20. Slowenien
Die Slowenen hatten gegen England durchaus die Chance, die Männer von der Insel nach Hause zu schicken und selbst ins Achtelfinale zu schicken. Gute WM für die kleine Republik.
21. Neuseeland
Wer hätte gedacht, dass die Kiwis ohne Niederlage bleiben!
22. Südafrika
Kein Gastgeberbonus von mir. Die Erwartungen waren hoch. Die Mannschaft konnte sie nicht erfüllen. Blieb im Rahmen ihrer Möglichkeiten.
23. Griechenland
Otto Rehhagel hätte einen besseren Abschied verdient. Eine Ära geht zu Ende. Es steht zu befürchten, dass die Griechen sich in Zukunft wieder in der Bedeutungslosigkeit wiederfinden.
24. Dänemark
Von den Dänen ist mir nichts in Erinnerung geblieben. Immerhin gab es einen Sieg gegen Kamerun (2:1) - als Kontrastprogramm einen peinlichen Auftritt gegen Japan (1:3)
25. Serbien
Gegen Deutschland gewonnen und dann aber gegen Australien verloren. Für die Serben war mehr drin.
26. Nigeria
Es reichte nicht. Gegen Südkorea gab´s ein 2:2. Griechenland und Argentinien musste man sich knapp beugen. Insgesamt enttäuschend.
27. Algerien
Die Defensive war gut (2 Gegentore), aber ohne Tor kann man nicht gewinnen.
28. Italien
Der Weltmeister blieb ohne Sieg. Italien im Tal der Tränen. Kommen sie zurück oder steht eine längere Durststrecke an?
29. Kamerun
Gegen Dänemark und die Niederlande (jeweils 1:2) kann man ja verlieren, aber gegen Japan (0:1)? Nun soll´s Lothar Matthäus richten.
30. Honduras
Wir sind inzwischen in der Rubrik "Hat bei der WM nichts zu suchen"
31. Frankreich
Dass es nicht der letzte Platz wurde, liegt an
32. Nordkorea
Geheimnisvoll... Wie die nur die Qualifikation überstanden haben...
DIE MANNSCHAFT DES TURNIERS
Benaglio (Schweiz)
Lahm (Deutschland) Puyol (Spanien) Friedrich (Deutschland) Sarpei (Ghana)
Xavi (Spanien) Schweinsteiger (Deutschland)
Müller (Deutschland) Iniesta (Spanien) Sneijder (Niederlande)
Forlan (Uruguay)
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