Donnerstag, 22. September 2011

Dem Druck nicht mehr gewachsen: Ralf Rangnick tritt zurück

Ralf Rangnick hat sein Amt als Cheftrainer des FC Schalke 04 mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Der 53-jährige sei aufgrund eines Erschöpfungssyndroms derzeit nicht in der Lage, die Energie und Kraft aufzubringen, dem Team die notwenigen Impulse zur Weiterentwicklung zu geben.
Nach langer, reiflicher Überlegung sei Ralf Rangnick zum Entschluss gekommen, dass er eine Pause brauche. Die Entscheidung sei ihm sehr schwer gefallen, meinte der Fußballlehrer auf der Internetseite des FC Schalke 04. Schalkes Manager Horst Heldt äußerte höchste Achtung vor der Entscheidung und betonte, den Vorrang der Gesundheit "vor allen beruflichen Zielen und Herausforderungen". Zunächst übernimmt Assistenztrainer Seppo Eichkorn die Verantwortung für die Mannschaft.

Ralf Rangnick ist einer der erfolgreichsten Trainer der vergangenen 10 bis 15 Jahre. Als Fußball kam er nie über den Amateurstatus hinaus. Als Trainer hat er im deutschen Klubfußball entscheidend an der Entwicklung zum attraktiven Powerfußball gewirkt.
Seine Karriere begann 1983 als Spielertrainer des FC Viktoria Backnang, mit dem er von der Bezirksliga bis in die Verbandsliga aufstieg. In diese Zeit (bis 1985) viel auch die Prüfung zur Fußballlehrer-Lizenz, die er as Jahrgangsbester mit der Note 1,2 abschoss.
Das erste größere Engagement hatte Rangnick ab 1990, als er beim VfB Stuttgart in die Jugendarbeit einstieg und ab 1992 als Sportkoordinator mit der Betreuung des Jugend- und Amateurfußballs betraut wurde. 1994 verließ Rangnick den Klub, als seinem Wunsch, Assistent des damaligen Profitrainers Jürgen Röber zu werden, nicht entsprochen wurde. Nach einer Zeit in Reutlingen übernahm Ralf Rangnick Anfang 1997 den SSV Ulm. Hier setzte er zum ersten Mal seine Ideen eines ballorientierten Systems mit Viererkette um. Nach anfänglichen Schwierigkeiten stieg er mit der Mannschaft 1998 in die 2. Bundesliga auf. Hier spielte der SSV gleich im ersten Jahr um den Aufstieg. Rangnick avancierte zu einem gefragten Trainer und einigte sich auf eine Zusammenarbeit mit dem VfB Stuttgart ab der Saison 1999/2000. Hier bekam er erstmals Gegenwind, als es größere Widerstände gegen das System Rangnicks gab. Der sportliche Erfolg stellte sich langfristig nicht so ein wie gewünscht. Im Winter 2001 endete das Engagement.
Zu Beginn der neuen Saison übernahm er die Mannschaft von Hannover 96, der damals in der 2. Bundesliga agierte. Die Mannschaft stieg im ersten Jahr in die erste Bundesliga auf. Sein Engagement endete im März 2004, nach einigen Querelen mit der Führungsetage der 96er.
Beim FC Schalke 04, wo Rangnick seinen Dienst im September 2004 antrat, wurde er 2005 mit den Königsblauen "Meister der Herzen" und war beim Publikum sehr beliebt. Als es Gerüchte gab, dass Rangnick entlassen werden sollte und die Fans Unmutsbekundungen gegen den Vorstand in einem Heimspiel äußerten, ließ sich der Fußballlehrer zu einer Ehrenrunde hinreißen und wurde daraufhin im Dezember 2006 entlassen.

Danach folgte die wohl beeindruckendste Zeit des Ralf Rangnick. Im Sommer 2006 übernahm er die TSG 1899 Hoffenheim und führte den Verein innerhalb zweier Jahre von der Regionalliga in die 1. Bundesliga. Auch hier etablierte sich die Mannschaft schnell. Als Mäzen Dietmar Hopp den Verkauf Luiz Gustavo an den FC Bayern München gegen den Willen Ralf Rangnicks durchzog, endete diese Ära am 1. Januar 2011.
Im März 2011 übernahm Ralf Rangnick den FC Schalke 04 und erkämpfte durch den Pokalsieg nach die Europa League-Teilnahme für diese Saison. In dieser Saison erreichte er mit der Mannschaft die Gruppenphase der Europa League, startete mit 3 Siegen und 3 Niederlagen aber nur durchwachsen in die Bundesliga,

Nun ist also erst einmal eine Pause angesagt. Bleibt zunächst, Ralf Rangnick alles Gute zu wünschen und die Hoffnung, ihn irgendwann wieder auf einer Trainerbank erleben zu dürften. Denn er ist einer der besten seines Faches.

Keine Kommentare: