Montag, 11. Juni 2012

Die EM nach dem ersten Spieltag

Die wichtigste Erkenntnis: Es gibt keine leichten Gegner. Einige Favoriten kamen schon mal gehörig unter Druck.
Eine weitere Erkenntnis. Die Sorgen um die Organisation waren übertrieben. Alle Stadien sind fertig, bisher gab es keine Pannen, die Athmosphäre ist sowohl in Polen als auch in der Ukraine prächtig.

Vor der EM hatte ich als Favoriten Spanien, die Niederlande, Frankreich und Deutschland ausgemacht. Aus diesem Quartett gewann nur Deutschland und das auch recht glücklich gegen Portugal, das laut portugiesischen Journalisten mit der schlechtesten Mannschaft seit 20 Jahren antritt. Da haben wir aber Glück gehabt.

Totgesagte leben länger. Auch ich hatte nach den Nachrichten vor dem Turnier und den letzten Resultaten keinen Pfifferling auf Italien gesetzt. Aber die Italiener bewiesen, dass eine verpatzte Generalprobe eben doch eine gute Premiere bedeutet. Die Italiener brachten Welt- und Europameister Spanien an den Rand einer Niederlage. Die Mannschaft vom Stiefel kann noch sehr weit kommen.

Hoch gelobt waren vor der EM auch die Franzosen. Seit heute weiß man, auch "le Bleu" spielt sehr irdischen Fußball und ist schlagbar.

Über Defensivfußball der Marke Dänemark kann man ja denken was man will, aber Fußballspiele werden immer noch in der Abwehr gewonnen. Das durften auch die Niederländer zur Kenntnis nehmen. Oranje wurde gleich noch eine zweite Fußballweisheit vor Augen geführt: "Elf Freunde müsst ihr sein". Elf Weltklasseindividualisten sind keine Mannschaft und so verloren die Niederländer ein Spiel, dass sie optisch gegen die Dänen beherrschten - aber eben nur optisch.

Die Gastgeber starteten ohne Niederlage. Wobei die Polen mit dem 1:1 gegen Griechenland sicher nicht so ganz zufrieden waren. Die Ukraine schwamm auf einer Woge der Begeisterung zu einem 2:1 über Schweden und nutzte so den Heimvorteil optimal.

Neben den vier von mir vor der EM als Favoriten ausgemachten Mannschaften muss ich eine weitere hinzuzählen: Russland. Die Russen beeindruckten mit einer sehr dominanten Leistung gegen allerdings recht schwache Tschechen. In der Gruppe A sollte Russland Gruppensieger werden.

In der Deutschlandgruppe B stehen die Niederlande unter gewaltigem Druck. Eine Niederlage dürfen sich unsere Nachbarn gegen das DFB-Team wohl nicht leisten, wollen sie noch ins Viertelfinale. Auf der anderen Seite sind die Dänen sicher noch nicht in der Ko-Runde. Die Deutschen natürlich auch nicht, denn sollte gegen Holland verloren werden, muss man sich erst einmal gegen das Bollwerk der Wikinger durchsetzen. Ein Punkt gegen die Niederlande würde vieles schon einfacher machen. Das Spiel gegen die Niederländer am Mittwoch könnte sowieso leichter werden, als das gegen Dänemark. Oranje muss das Spiel machen, das müsste den Deutschen mehr Raum geben als gegen die Portugiesen. Das sollten wir nutzen können. Und Portugal? Das wird gegen Dänemark wohl anders auftreten als gegen Deutschland. Lassen wir uns überraschen.

In der Gruppe C hat mich Irland enttäuscht. Ich habe zwar nicht damit gerechnet, dass die Mannschaft von der grünen Insel eine Chance auf das Viertelfinale hat, aber die klare Unterlegenheit gegen Kroatien, besonders die Schwächen in der Defensive, hatte ich nicht erwartet. Neben Spanien ist für mich aber Italien erster Anwärter auf das Viertelfinale. Mancher mag mit dem Kopf schütteln, aber ich mag die italienische Spielweise und glaube, dass die Mannschaft von Trainer Prandelli sehr weit kommen kann, wenn es ihr gelingt ihr Spiel auch in den weiteren Matches durchzuziehen.

Die Ukraine kann aufgrund der Begeisterung, des Heimvorteils aber auch einer überraschend gut funktionierenden Mannschaft weit kommen. Allerdings müsste man dafür England oder Frankreich hinter sich lassen. Wenn man die Chancen der Ukrainer nach den Leistungen von heute beurteilt, stehen sie gar nicht so schlecht. Aber Frankreich wird sich noch steigern und England hat schon heute gar nicht so schlecht ausgesehen. Ich hätte nie gedacht, dass eine englische Nationalmannschaft mit einer starken Defensive und einem Top-Torhüter auftreten kann. Und Schweden? Nun, das heute war ein Fehlstart. Aber vielleicht zeigen uns ja die Schweden schon gegen England ein anderes Gesicht.

Es bleibt spannend.

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