Tiefpunkt im Schweizer Fußball. Die wirtschaftliche Situation bei der Hälfte der Klubs scheint desaströs.
Schon in dieser Saison musste die Kommission der Schweizer Fußball Liga zu harten Maßnahmen greifen. Neuchâtel Xamax wurde nach der ersten Halbserie aus dem Wettbewerb genommen und steht als erster Absteiger fest. Das Team aus der Romandie konnte Löhne und Sozialabegaben nicht mehr bezahlen und meldete zum 100. Vereinsjubiläum (offiziell wurde der Klub zwar erst 1916 gegründet, das erste Spiel fand aber schon 1912 statt) inzwischen Insolvenz an. Der Klub wurde neugegründet und fängt in der 2. Liga interregional (4. Liga) neu an.
Der FC Sion bekam 36 Punkte abgezogen, weil er nicht spielberechtigte Spieler einsetzte. Damit wird das Team voraussichtlich Neunter und steht eigentlich in der Relegation gegen den Zweiten der Challenge League. Die Posse um den FC Sion läuft schon seit 2008. Damals wurde Uli Stielicke für drei Jahre als Trainer verpflichtet und schon im November desselben Jahres wieder entlassen. Das Training übernahm Klubpräsident Christian Constantin, der aber die nötige Lizenz nicht besaß und innerhalb von drei Wochen einen neuen Trainer präsentieren sollte. Jetzt begann die Geschichte eine Posse aus der Provinz zu werden. Der Präsident erklärte. Uli Stielicke sei ja weiter der Trainer, er sei nur derzeit krankgeschrieben. Ein neues Trainergespann kam erst in der Winterpause. Der Verein wechselte dann noch einmal den Trainer und wurde aber immerhin Pokalsieger. Aber neues Ungemach brachte die FIFA, die im Sommer 2009 aufgrund der Posse dem FC Sion ein einjähriges Transferverbot auferlegte. Und wieder trat Präsident Christian Constantin auf den Plan und ging davon aus, dass das Transferverbot nur für den Amateurbereich gelte, denn die Profiabteilung werde durch eine AG "Olympique des Alpes" betrieben. Diese plumpe Art kam bei der FIFA nicht wirklich gut an und die Weltorganisation drohte dem Schweizer Fußballverband im Winter 2011/2012 mit einem Ausschluss der Schweiz aus der FIFA. Nun reagierte endlich der Schweizer Verband drastisch. Der FC Sion verlor 36 Punkte, was der Fan auf der Internetseite des Klubs in den Nachrichten lesen muss. In der Tabelle auf der Vereins-Homepage liegt der Verein mit 49 Punkten auf Platz zwei.
Das ist aber noch nicht alles. Trainer Roussey, der den Klub sportlich immerhin in hervorragende Verfassung brachte hielt der anhaltenden Kritik des unter den Fans unbeliebten Präsidenten Constantin nicht mehr Stand und gab nach dem 0:3 gegen den FC Basel seinen Rücktritt bekannt. Da passt es gut dazu, dass der FC Sion in erster Instanz auch die Lizenz für die kommende Saison nicht erhielt.
Servette Genf, 17-maliger Schweizer Meister musste seine Bilanz bei der Handelskammer Genf deponieren. Der Verein musste einen Konkursantrag stellen. Und so sieht es schlecht aus mit der Lizenz, wohl deutlich schlechter als beim FC Sion, der so auf den Klassenerhalt hoffen kann - Frechheit siegt. Auf der Vereinsseite von Servette ist von all dem aber vorsichtshalber mal nichts zu lesen.
Ein bisschen überraschender sind die Entscheidungen der SFL-Kommission in Sachen FC Zürich und Young Boys Bern.
Der 12-fache Meister FC Zürich war letztes Jahr noch Vizemeister und spielte international. In dieser Saison ist die Europa League durchaus noch im Bereich des möglichen. Allerdings sind die Auflagen, die der FCZ zur Lizenzerteilung noch erfüllen muss, wohl erfüllbar. Immerhin haben die Züricher zum Entscheid der SFL-Kommission Stellung öffentlich genommen. Man kann wohl davon ausgehene, dass es auch im nächsten Jahr vier Derbys in Zürich gibt. Schließlich werden auch die Grasshoppers oben bleiben.
Bleiben die Young Boys Bern, die derzeit als Dritter auf einem Europa LEague-Platz stehen. Auch die Berner, die in einem Stadion mit traditionsreichen Namen (Stade de Suisse Wankdorf) spielen, informiert seine Fans über die Situation beider Lizenzvergabe. Die Vereinsführung begrüßt die strenge Vorgehensweise der Lizensierungskommission und lässt keinen Zweifel daran, die Lizenz in zweiter Instanz zu erhalten.
Auch in der Challenge League haben eine Reihe von Vereinen die Spielberechtigung für die kommende Saison zunächst verweigert bekommen. Darunter sind auch die Aufstiegsaspiranten FC Lugano, AC Bellinzona, FC Chiasso und FC Winterthur. Auch Etoile Carouge, der SC Kriens und der FC Biel-Bienne müssen um die Lizenz zittern. Die beiden erst genannten Vereine stehen aber sowieso auf einem Abstiegsplatz.
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