Mittwoch, 2. Januar 2013

Martin Schmitt ist zurück / Deutsche Adler haben kaum noch Siegchancen

Ich habe es sowieso als etwas überzogen empfunden, als die deutsche Journalistenriege einen deutschen Sieg bei der Vierschanzentournee für möglich hielt. Klar, die Ergebnisse in der ersten Weltcup-Phase waren beeindruckend, aber am Ende beginnt doch die Saison für viele erst richtig mit der Tournee. Und hier zeigen sich die Deutschen im Vergleich zum letzten Jahr zwar deutlich verbessert, aber vom Sieg doch noch ein Stück entfernt.

Trotzdem, die Deutschen sind in der Weltspitze zurück. Acht DSV-Adler durften beim gestrigen Neujahrsspringen in Garmisch-Patenkirchen zum Finaldurchgang starten. Da gibt es nichts zu meckern. Den Hut ziehen muss man vor allem vor dem Altmeister Martin Schmitt. Wenn man bedenkt, durch was für ein Tal der bald 35-jährige geschritten ist, dann kann man nur Respekt zollen, dass Schmitt trotzdem weitergemacht hat. Die meisten hätten wohl ihre Karriere beendet. Schmitt nicht. Er würde sich sogar den Kontinentalcup antun, weil er Skispringen einfach so toll findet. Das gibt es im Leistungssport heute recht selten. Wenn man bedenkt, dass man mit Skispringen wohl nicht reich werden kann, ist es schon beeindruckend, dass Schmitt völlig egal ist, ob an seinem Denkmal, dass er zweifellos verdient hat, gekratzt wird oder nicht.

Und so ist es folgerichtig, dass sich der Furtwangener für das Team, dass die deutschen Farben auch in Österreich vertreten darf, qualifiziert hat. Ich gönne ihm diesen Erfolg, auch wenn er damit einen jungen hoffnungsvollen Athleten den Weg versperrt hat.

Mit dabei ist weiterhin auch Andreas Wellinger, der zweite Lichtblick am gestrigen Tag. Der 17-jährige Ruhpoldinger zeigte sein Talent vor allem im zweiten Durchgang als er noch vom 18. auf den neunten Platz sprang und bester Deutscher wurde. Auch Danny Queck gehört zu den hoffnungsvollen Deutschen. Der 23-jährige musste sich gestern aber mit Platz 23 begnügen und schaffte so nicht nach Innsbruck. Die Zeit des jungen Lauschaers wird aber noch kommen.

Für die große deutsche Hoffnung, Severin Freund, war das Springen schon nach dem ersten Durchgang gelaufen. Der 24-jährige landete mit einem mäßigen Sprung auf Platz 20 und konnte dies auch im zweiten Durchgang nur noch etwas korrigieren. Platz 15 und knapp 26 Punkte Rückstand auf den Sieger Anders Jacobsen. Er und der um neun Hundertstel Punkte geschlagene Gregor Schlierenzauer sind nun die klaren Favoriten auf dem Tourneesieg. Hinter Tom Hilde und Dimitry Vassiliev liegt Severin Freund immer noch aussichtsreich auf Platz 5. Ein Podestplatz ist immer noch drin. Und das wäre dann nach den mageren Jahren ein schöner Erfolg für den DSV, der unter den Top 12 mit Andreeas Wellinger (8.), Michael Neumayer (10.) und Martin Schmitt (12.) weitere drei Athleten hat. Norwegen ist in dieser Liste dreimal vertreten. Österreich nur zweimal. Die Mannschaft aus der Alpenrepublik verlor gestern nach Thomas Morgenstern, der sich gestern mit Platz 11 zurückmeldete, gleich Springer für die Gesamtwertung: Wolfgang Loitzl (33.) und Martin Koch (39.).

Keine Kommentare: